Anlässlich des Tags des Judentums, der österreichweit am 17. Jänner gefeiert wird, möchten die PPH Burgenland und der Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit wieder Raum schaffen für Begegnung, Austausch und ein tieferes Verständnis für jüdische Geschichte, Kultur und Gegenwart.
Im Burgenland existierten bis 1938 mehrere jüdische Gemeinden. Bereits im Zuge der Machtübernahme der Nationalsozialisten im März 1938 wurden Jüdinnen und Juden verfolgt, später deportiert und ermordet. Zwei Vorträge nähern sich aus unterschiedlicher Perspektive diesen „Auslöschungen“ an, exemplarisch dargestellt anhand der Geschichte der jüdischen Gemeinde von Oberwart/Felsőőr (Ursula Mindler-Steiner) und der literarischen Verarbeitung des Massakers beim Kreuzstadl in Rechnitz (Wynfrid Kriegleder).
Die jüdische Gemeinde von Oberwart/Felsőőr war die jüngste Israelitische Kultusgemeinde des Burgenlandes. 1930 gegründet, wurde sie bereits 1938 wieder gewaltsam aufgelöst. Der Vortrag gibt einen Überblick über jüdisches Leben in Oberwart/Felsőőr im 19. und 20. Jahrhundert und fokussiert im Besonderen auf das abrupte Ende jüdischen Lebens in der Region.
Assoz. Prof. Priv.-Doz. Mag. Dr. Ursula K. Mindler-Steiner ist Historikerin an der Universität Graz und der Andrássy Universität Budapest. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen u.a. jüdische und Romani Geschichte, die Geschichte des deutschwestungarischen/burgenländischen Gebietes, NS-Geschichte und Biographie, Identität, Erinnerung und Gedächtnis. Sie legte zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten, u.a. zur jüdischen Gemeinde von Oberwart/Felsőőr, vor.
In der Nacht vom 24. auf den 25. März 1945 fand im burgenländischen Rechnitz ein bis heute nur teilweise aufgeklärtes „Endphaseverbrechen“ an 180 ungarisch-jüdischen Zwangsarbeitern statt. Über dieses Verbrechen breitete sich jahrzehntelang bleiernes Schweigen. Die fiktionale Literatur erinnerte spät, aber doch, an die Morde. Der Vortrag wird vor allem Eva Menasses Roman Dunkelblum von 2021 in den Blick nehmen, aber auch andere Texte (von Gerald Szyszkowitz, Elfriede Jelinek und Peter Wagner) kurz vorstellen.
a. o. Univ.-Prof. i. R. Wynfrid Kriegleder, am Institut für Germanistik der Universität Wien. Lehr- und Forschungstätigkeit am Berea College (Kentucky, USA), der Duke University, der Yale University, der University of Kansas. Forschungsschwerpunkte: Deutsche und österreichische Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts, literarische Wechselbeziehungen zwischen dem US-amerikanischen und dem deutschsprachigen Raum.
Moderation: Dr. Lukas Pallitsch, PhD
Anschließend Agape mit koscherem Wein.
Alle Interessierten sind herzlich willkommen!