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De Sanctis – Für die Heiligen
Datum:
29.10.2026
Autor:
Mag. theol. Eva Marković

Allerheiligen ist ein Fest, bei dem es um Freundschaft geht. Viele von uns verbinden es mit Kerzen, Blumenschmuck und Friedhofsbesuchen; vielleicht besuchen sie auch die hl. Messe. Doch eigentlich geht es gar nicht um Kerzen oder Blumen, sondern darum, sich an Freunde zu erinnern. An jene im Himmel, an Menschen, die einst an unserer Seite auf dieser Erde wandelten, und an andere, an deren Namen wir uns vielleicht noch erinnern oder an jene, die einfach aus unserem Blickfeld verschwunden sind. Allerheiligen erinnert uns daran, dass wir hier auf Erden eine Kirche auf dem Weg sind. „Die Kirche ist ein Haus, das in den Himmel fliegt“, so stelle ich es mir gerne hoffnungsvoll vor.
 

Es gibt noch eine andere Seite dieser Medaille: das ist die leidende Kirche. Wir gedenken ihrer besonders an Allerseelen, wenn wir all jener Menschen gedenken, deren Leiden im Fegefeuer unserer Gebete bedarf. Das Fegefeuer ist, wie das Wort schon andeutet, ein Zustand, in dem die Seele von ungeordneten Begierden und Bindungen an vergängliche Güter und Geschöpfte gereinigt wird. Grundsätzlich geht es um jemanden, der in Freundschaft mit Gott und im Stand der Gnade verstorben ist, aber noch Zeit benötigt, um den Zustand der „seligen Anschauung“ Gottes, wie der heilige Thomas von Aquin sagen würde. Dieser „Zwischenzustand“, wenn man ihn so nennen darf, ist ein Bereich, in dem unsere geschwisterliche Liebe und Freundschaft besonders zum Tragen kommen; nicht nur gegenüber Menschen, die wir kannten oder die zu unserer irdischen Familie gehörten, sondern auch auf Menschen, denen wir zu Lebzeiten nie persönlich begegnet sind.

 

Erzbischof Fulton Sheen, der vor Kurzem seliggesprochen wurde, bemerkte einmal: „Wenn wir in den Himmel eintreten, werden wir einer Vielzahl von Seelen begegnen, die uns entgegenkommen, um uns ihren Dank auszudrücken. Wir werden sie fragen, wer sie seien, und sie werden antworten, dass sie jene Seelen aus dem Fegefeuer sind, für die wir gebetet haben.“ Als Christen sind wir mit einer unzähligen Schar von Seelen verbunden, die uns in Christus nahestehen. Die durch das Gebet geschaffene Wechselseitigkeit wird schon hier auf Erden zu einer Quelle unerwarteter Segnungen, denn Gutes bringt Gutes hervor. Und wenn wir vom Guten sprechen, darf das höchste Gut nicht unerwähnt bleiben, das Gott für uns bereitet hat: die verherrlichte Kirche. Die Gemeinschaft der Heiligen, Engel und erlösten Seelen in der ewigen Herrlichkeit bei Gott ist eine Quelle der Hoffnung, die über Zeit und Raum hinausreicht.

 

Daher geht das Hochfest Allerheiligen dem Allerseelentag voraus und ist nicht nur ein Anlass, Friedhöfe zu besuchen und für die Verstorbenen zu beten, auch wenn dies natürlich möglich ist, sondern mehr noch eine Gelegenheit, an der Eucharistie teilzunehmen. Dies ist das wichtigste Ereignis des Tages. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Die Begegnung mit dem Herrn in der Gestalt von Brot und Wein sowie die Begegnung untereinander spiegeln die himmlische Herrlichkeit wider, die uns erwartet. Allerheiligen ist eine Gelegenheit, unser Verhältnis zu den Menschen zu überdenken, denen wir bei der Feier der Eucharistie begegnen: Sind wir zu distanziert gegenüber unseren Pfarren oder zu sehr in belanglose Gespräche, wie zum Beispiel Klatsch und Tratsch, vertieft? Behandeln wir jemanden, der erst kürzlich in die Gemeinschaft aufgenommen wurde, respektlos?
 

Erwarten wir zu viel von den Gläubigen? Haben wir klar zum Ausdruck gebracht, was wir uns von anderen wünschen, seien es Menschen aus der Pfarre oder der Pfarrer selbst? In gewisser Weise werden wir all diese Beziehungen letztlich in unserem Herzen mit hinüber in das nächste Leben nehmen. Deshalb sind Klarheit und Vergebung von großer Bedeutung. Gibt es jemanden in unserem Leben, dem gegenüber wir unseren Glauben nicht in angemessener Weise bezeugt haben? Können wir noch Gutes tun oder Gott bitten, uns den Weg in unseren Beziehungen zu weisen – sei es diesseits oder jenseits? Das ist das Wesen der Freundschaft: dem anderen Gutes zu wünschen. Die Heiligen haben dies während ihres irdischen Lebens erkannt. Und auch sie waren einst Sünder, genau wie wir, doch sie wagten es, wie der Schriftsteller Oscar Wilde sagen würde, „zu den Sternen aufzublicken“. Und es wurde ihnen zuteil, dass der Himmel auf sie herabblickt. Die Zuneigung und Freundschaft eines Heiligen verschwanden nicht mit dem Tod, denn Liebe kann nicht mit dem Tod verschwinden; sie geht darüber hinaus. Sie ist immer noch da, geduldig, und wartet darauf, sich in ihrem Leben und Wirken mit uns zu verbinden. Die Heiligen sind nicht nur eine märchenhafte Inspiration, obwohl sie das sein können; sie sind himmlische Freunde, die für uns Fürsprache einlegen, so wie wir für die Seelen im Fegefeuer Fürsprache einlegen. Sie wünschen sich für uns, dass wir die himmlische Herrlichkeit erlangen, so wie wir es uns für die Seelen im Fegefeuer wünschen.

 

Ich möchte diese Betrachtung mit dem Bild einer Kerze abschließen. In unseren Häusern und Friedhöfen werden wir Kerzen anzünden. Manchmal tun wir dies, wie bei jedem Brauch, ohne darüber nachzudenken. Die Kerze birgt eine Symbolik, die wir sowohl in der leidenden als auch in der verherrlichten Kirche wiederfinden: Gottes Licht der Liebe, das unsere Dunkelheit durchbricht und alles reinigt, was uns im Weg zu uns selbst steht. Möchten Sie einen Rat für Allerseelen? Machen Sie einen Spaziergang über den Friedhof in der Abenddämmerung, wenn Tausende von Kerzen brennen. Jede einzelne steht für eine Seele, die entweder für Sie betet oder Sie bittet, für sie zu beten. So oder so können Sie nichts falsch machen, wenn Sie sich an den Herrn wenden – Er hat das Licht, in euren Herzen angezündet.

 

 

Foto: -gk-