In einer der ältesten liturgischen Formeln wird den Gläubigen zum Empfang der Eucharistie zugerufen: „Das Heilige den Heiligen!“ Wer sind die Heiligen? Alle, die getauft wurden, denn sie sind auf Christi Tod und Auferstehung getauft, in der Taufe empfangen sie neues Leben, das Leben in Christus. Sie sind ihm gleichgestaltet, ein neuer Adam und eine neue Eva. In der Taufe haben sie die Fluten des Untergangs überwunden und im Wasser der Rettung wurden sie alle neugeboren.
Dieses Handeln Gottes, das Wunder des Lebens kann ein ganzes Leben lang nie mehr abgestreift oder verleugnet werden. Man kann Gott vergessen, ihn verdrängen und leugnen, ihn der Lächerlichkeit und Verharmlosung aussetzen, der Mensch aber kann Gott nicht töten. Gott bleibt, er kommt auf den Menschen und seine Welt zu, er baut Zukunft, auch und besonders dann, wenn die Welt und ihre Menschen schon am Ende sind.
Heilige sind Baumeister einer guten Zukunft, der Zukunft mit Gott. Es gibt unzählige heilige Frauen und Männer, bekannte und unbekannte, vergessene und aktuelle, solche, die durch die Zeiten hindurch verkitscht und verbogen wurden und andere, die auch nach vielen Jahrhunderten noch immer viel zu sagen haben. Heilige zeichnen sich nicht aus durch moralisch hohe Maßstäbe, durch Askese, Entbehrungen, Weltverdruss und Lebensentfremdungen, sondern durch ihre Liebe zu den Menschen und ihre Sehnsucht nach und ihre Freundschaft mit Gott. Sie machen Gott sichtbar und greifbar. Die Heiligen sind keine „Ersatzgötter“, aber sie eröffnen durch ihr Leben vielfältige Wege, die zu Gott führen. Auf ihren Lebenswegen kommt Gott auf uns Menschen zu, durch sie nimmt Gott konkrete Gestalt an.
Wenn die Reformation zu den Heiligen auf Distanz gegangen ist, so vor allem deshalb, weil mit den Heiligen oft ein lebensfremder Kult getrieben wurde. Aber auch die Reformation kennt ihre „Heiligen“: Martin Luther, Zwingli, Calvin, vielleicht auch Bonhoeffer und viele andere, oft wurden sie kontrastreich den alten Heiligen gegenübergestellt. Durch die Heiligsprechung, der ein langer komplizierter Prozess vorangeht, werden Frauen und Männer, Laien, Ordensschwestern und Ordensbrüder, Kleriker, Bischöfe und Päpste in den Heiligenkalender aufgenommen, ein ganz bestimmter Tag – meist der Todestag – ist ihnen geweiht. Es gibt auch Heilige, die nie heiliggesprochen, aber immer schon vom Volk verehrt wurden, wie die hl. Hemma von Gurk, die Landesmutter von Kärnten. Ob mit der Vielzahl der heiligen Päpste leicht übertrieben wurde, wird die Geschichte noch zeigen. Übrigens, der hl. Martin, der Landespatron des Burgenlandes und der Diözesanpatron der Diözese Eisenstadt gilt als der erste Heilige, der nicht als Märtyrer sterben musste.
Er hat gepredigt, verkündet und missionarisch gelebt, den Glauben unseren Ländern eingezeichnet. Der hl. Benedikt, einer der frühen Heiligen der Kirche, ist der Vater des abendländischen Mönchtums. Der Hl. Dominikus, der Gründer des Predigerordens, konnte die geistig Ausgehungerten versammeln, der hl. Franz hat mit seiner Armutsbewegung der Kirche wieder Glaubwürdigkeit gegeben. Unzählig sind die heiligen Frauen: Elisabeth, Scholastika, Klara, Katharina von Siena, Theresia von Avila, Märtyrerinnen, Ordensgründerinnen bis hin zu Mutter Teresa.
Aber über allen Heiligen verehren wir Maria, die Königin der Heiligen, die Gottesgebärerin, das Mädchen aus Nazareth, das die Welt der alten Götter zum Einsturz gebracht hat. Im römischen Pantheon wurde das Allerheiligenfest begründet, später dann auf die ganze Kirche ausgeweitet. Ohne diese heiligen Menschen würde der Glaube verkopft und steril werden, denn sie sind überwältigende Zeugen dafür, dass ein Leben mit Gott gelingt und dass dieses Leben die Welt verändern kann. Sie sind Vorbilder, Wegbegleiter, Fürsprecher, Helfer, Tröster, Menschen, an denen man sich festhalten kann. Wenn man möchte, könnte man sie auch als Influencer ohne Machtgier und wirtschaftliche Zwänge bezeichnen. Außerdem: Man sollte Heilige nicht missbrauchen und ideologisch einzementieren, wie es in der Kirche immer wieder vorkommt, auch heute. Es gibt keine „modernen“ und keine „aus der Mode gekommenen“ Heiligen, sie sind immer Zeugen ihrer Zeit und geben Antwort auf die Nöte der Zeit. Die vierzehn Nothelfer und Nothelferinnen, der hl. Christopherus, die Namenspatrone bewegen noch immer die Angeln des Lebens. Nicht zu übersehen: Die meisten Heiligen wurden nie heiliggesprochen, viele Heilige leben unter uns, sie sind die Heiligen des Alltags. Still, aber unerschrocken öffnen sie den Himmel über uns und weisen den Weg zu Gott.
Allerheiligen ist ein großer Tag, der Tag aller Getauften. Er gibt uns einen Blick in den Himmel, wo Zukunft beginnt und Ewigkeit zum dauernden Fest in der Stadt des lebendigen Gottes wird. Irgendwie ist dieser Tag der Namenstag aller Getauften und ein Dankesfest der Berufenen. Deshalb: Alle Heilgen Gottes, bittet für uns!
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