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Inhalt:
Nachrichten
Ostern leben
Datum:
14.04.2026
Autor:
Mag. P. Karl Schauer OSB

Das Osterfest dauert nicht nur ein oder zwei Tage bis zum Ostermontag, die Osterzeit dauert 50 Tage bis zum Pfingstfest, über Christi Himmelfahrt hinaus.
Die Osterwoche feiert die Kirche wie einen einzigen großen Festtag. Dabei verwundert es, dass die Karwoche und die Osterwoche immer noch verwechselt werden, nicht nur in den Rundfunk- und Fernsehsendern, die uns gerne über den Osterverkehr, das Osterwetter und über das österliche Reiseaufkommen am Laufenden halten.
 

Warum feiern die Christen über Wochen Ostern? Nicht, weil wir so schwer begreifen, sondern weil die österliche Wirklichkeit alles Begreifen übersteigt, die Zeit zeitlos macht und das Berechnende entlarvt. Gott ist ganz anders. Wer vom österlichen Gott redet, verabschiedet sich von den üblichen Gottesreden und Gottesvorstellungen und gesteht ein, wie zerbrechlich und bruchstückhaft der Glaube sein kann. Ostern knebelt den kindischen Glauben, den schrecklichen Gott, die Beliebigkeit des Glaubens, den Stolz und die Gleichgültigkeit, wenn es um Gott geht.

Ostern ist die Wirklichkeit Gottes, seine Gegenwart, sein Tun, sein Eintreten für diese Welt und sein Auftreten gegen alles Totbringende. Ohne den österlichen Gott werden die großen Fragen zu ungelösten Rätseln, die das Geheimnis des Lebens zerstören: Warum Leid, Krankheit und Tod? Und Kriege, die nie zum Frieden, sondern zu Hass und Unfrieden rüsten? Und Reiche, die in ihrem Reichtum ersticken und Arme, die in ihrer Armut verwesen? Diktatoren, die auf Kosten der Menschen leben, sie nur gebrauchen und Leben vernichten? Schuldlose, die schuldlos umkommen und Schuldige, die sich mit ihren Masken protzen? Leid im Großen und Kleinen, unbegrenzt und rücksichtslos?
 

Und Christen feiern doch Ostern, vielleicht leben sie sogar Ostern. Sind sie Blindgänger, Verharmloser, Utopisten, Lebensfremde und Getäuschte?

Gefährlich sind jene, die immer Antworten geben und vorgeben, den Schlüssel zur Lösung in der Tasche zu tragen. Fragen dürfen Fragen bleiben, Zweifel dürfen benannt werden, Gott darf angeklagt werden, ihm darf widersprochen werden – das hält er aus. Wer Gott lästert, ihn der Lächerlichkeit ausliefert, ihn kleinredet, über ihn schwätzt und ihn mit Rezepten zudeckt, hat sich nicht nur von Gott, sondern auch von der Welt und vom Leben verabschiedet. Menschen müssen die Bruchstücke des Lebens sammeln, sogar lieben und aushalten. Denn jene, die sich inszenieren, perfekt sind und alles besser wissen, klammern das wirkliche Leben aus.
 

Ostern, die Spannung zwischen Verrat, Kreuz, Leben, Auferstehung und Gottes Geist, zu Pfingsten ausgegossen, ist das Leben. Ostern ist nicht billig, das Leben ist es auch nicht. Ostern ist keine Lebensversicherung Gottes für die Menschen, Ostern bedeutet das ruhelose Fragen des Menschen und die unbändige Antwort Gottes. Er kann mehr, als wir ihm erlauben und ihm zumuten möchten.

Es braucht Zeit, um das zu erlernen, nicht nur 50 Tage nach Ostern. Eigentlich ist das ganze Leben Ostern, oder es ist schon verspielt. Darauf vertrauen die Christen, nicht, weil sie es schon wüssten, aber weil sie glauben.

 

 

Foto: Pixabay

 

 

 

 

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